LokalesDIPLOMATIE
Gipfeltreffen im Stadtpark endet mit vollständiger Offenlegung
Warum beschnüffeln sich Hunde am Po? Ein Gipfeltreffen im Stadtpark zeigt, wie vierbeinige Delegationen ihre Ausweise ohne Umschlag vorlegen.

RHEINHOF-WEST (pfp). Zwei Hunde haben am Freitagmorgen im Stadtpark ein internationales Gipfeltreffen eröffnet und ihre Ausweispapiere binnen 14 Sekunden vollständig, unmittelbar und ohne Sichtschutz ausgetauscht. Die menschlichen Delegationen standen währenddessen 2 Meter entfernt und betrachteten mit besonderem Interesse eine unbeteiligte Kastanie.
Der Vorfall begann um 8:17 Uhr am südlichen Parkeingang. Ein elf Kilogramm schwerer Terriermix näherte sich einer etwa doppelt so schweren Retrieverhündin, beide Seiten verlangsamten kurz das Tempo. Nach einer knappen Prüfung der Gesichtslage gingen die Tiere ohne Tagesordnung zum vertraulichen Teil über. Leinen wurden nachgeführt, Höflichkeitsformeln entfielen.
Die Halter begrüßten sich erst, als sämtliche hundeseitigen Angaben bereits offengelegt waren. Ein Händedruck kam nicht zustande. Beide Personen hielten ihre freien Hände an Jackentaschen und Leckerlibeuteln, als müssten sie dort dringend Unterlagen ordnen.
„Wir wollten nur guten Morgen sagen“, erklärte der Halter des Terriers nach Abschluss der Begegnung. Zu den Einzelheiten des Datenaustauschs könne er sich nicht äußern. Er habe 70 Zentimeter Leine gewährt und danach versucht, durch einen Blick zum Wegesrand diplomatische Zurückhaltung zu signalisieren. Das Tier habe diesen Beitrag zur Verhandlung nicht angefordert.
Die zweite Delegation bewertete das Treffen als routiniert. „Man steht daneben und tut so, als gehöre man nicht zur Reisegruppe“, sagte die Halterin der Retrieverhündin. Ihr Hund habe die Unterlagen des Gegenübers gründlich eingesehen und im Gegenzug dieselbe Transparenz angeboten. Sie selbst kenne weder den Namen des anderen Menschen noch dessen Wohnviertel.
Beobachter zählten während der Zusammenkunft vier Positionswechsel, zwei gespannte Leinen und einen menschlichen Schritt rückwärts. Gebellt wurde nicht. Nach 38 Sekunden waren die wesentlichen Punkte geklärt. Die Hunde lösten die Runde einvernehmlich auf und widmeten sich getrennten Grünflächen, während ihre Begleiter noch über Wetterlage und frühe Dunkelheit verhandelten.
Das Büro für zwischenartliche Umgangsformen ordnet den Vorgang als typische Verschiebung diplomatischer Standards ein. Menschen beginnen Begegnungen demnach mit Namen, unverbindlichen Sätzen und zurückgehaltenen Informationen. Hunde verzichten auf den Umschlag. Für sie gilt eine Begrüßung erst dann als belastbar, wenn die andere Seite nicht bloß behauptet hat, sie sei heute gut unterwegs.
Der Parkbetrieb lief weiter. Um 8:21 Uhr begegneten sich 40 Meter westlich zwei weitere Delegationen. Die anwesenden Menschen nahmen sofort getrennte Standorte ein.