WissenschaftLage im Park
Parkprotokoll führt Hund und Mensch wieder zusammen
Bei einer Begegnung in Fellbrücken werden Hunde und ihre Halter nach Blick, Frisur und Tagesform einander zugeordnet. Die Betroffenen weisen jede Ähnlichkeit zurück.

FELLBRÜCKEN. Bei einer zufälligen Begegnung im Stadtpark hat ein überforderter Protokollant Hunde und Menschen ausschließlich nach Blick, Frisur und Tagesform zu Paaren sortiert, während nur die Betroffenen die Zuordnung für reine Spekulation hielten.
Über der westlichen Wiese hängt feuchter Vormittagsnebel. Aus den Kastanien tropft es in gleichmäßigen Abständen auf eine leere Bank, vom Kiesweg kommen Krallenklackern, das Rollen eines einzelnen Kinderwagens und das deutlich missbilligende Räuspern eines Mannes in einer beigefarbenen Jacke. Vor dem Brunnen stehen vier Hunde und fünf Menschen. Eine Person ist damit rechnerisch nicht versorgt.
Der Protokollant trägt ein Klemmbrett, dessen obere Ecke sich im Nieselregen nach außen biegt. Er betrachtet zunächst einen kleinen Hund mit einer sorgfältig nach links fallenden Stirnsträhne. Dann blickt er zu einer Frau, deren Pony denselben Winkel hält. Beide sehen gleichzeitig zum Brunnen und anschließend mit geduldiger Skepsis auf das Klemmbrett.
„Das ist vorläufig eine sehr klare Lage“, sagt der Protokollant. Er unterstreicht etwas zweimal. Die Frau erklärt, ihre Frisur sei eine persönliche Entscheidung. Der Hund schüttelt sich kurz, wodurch die Übereinstimmung für wenige Sekunden ausgesetzt wird.
Auf dem südlichen Weg nähert sich unterdessen ein großer, hellbrauner Hund mit ruhigem Blick. Neben ihm geht ein Mann, der den Eindruck vermittelt, er habe den gesamten Vormittag bereits zur Kenntnis genommen und erwarte keine Verbesserung. Noch bevor beide den Brunnen erreichen, erhalten sie im Protokoll die Kennzeichnung „wahrscheinlich zusammengehörig“. Der Mann bleibt stehen.
„Wir ähneln uns überhaupt nicht“, sagt er. Der Hund setzt sich und betrachtet den Regen mit exakt derselben Zurückhaltung. Der Protokollant ergänzt das Wort „bestätigt“.
Schwieriger gestaltet sich die Lage bei einer Frau mit lockigem Haar, die einen glatthaarigen Hund führt. Das Paar wird zunächst getrennt und zwei anderen Beteiligten zugewiesen. Daraus entstehen drei Leinenkreuzungen, eine höfliche Entschuldigung und ein kurzer Stillstand des gesamten Verkehrs am Brunnen. Die Hunde lösen die Lage ohne erkennbare Eile, indem sie sich dort aufstellen, wo ihre Menschen ohnehin warten.
Ein älterer Herr mit wachsamem Gesichtsausdruck erhebt Einspruch gegen seine Zuordnung zu einem ebenso aufmerksamen Terrier. Er verweist auf erhebliche Unterschiede im beruflichen Werdegang. Der Terrier prüft währenddessen eine raschelnde Hecke und kehrt mit dem Ausdruck zurück, dass weitere Angaben nicht erforderlich seien.
Gegen Mittag umfasst das Protokoll sieben sichere Paare, zwei strittige Frisuren und einen ungeklärten Schal. Der Regen wird stärker. Unter dem Vordach des kleinen Parkpavillons rücken Menschen und Hunde enger zusammen, wobei sich neue Übereinstimmungen bei Körperhaltung und allgemeiner Einschätzung des Wetters ergeben.
Der Protokollant schließt die Akte erst, als alle Beteiligten den Park verlassen haben. Für den einsamen Regenschirm neben der Bank konnte keine Halterin und kein Halter festgestellt werden.