Ausgabe vom 20. Oktober 2026Satire. Alles erfunden.Nr. 22


Pfotenpresse

Die Zeitung, die endlich mal die richtige Perspektive einnimmt.


Sport

Ich habe den Ball geworfen. Ich werfe ihn immer noch.

Über den Moment, in dem aus einem Spiel eine Verpflichtung wird, und darüber, wer in dieser Beziehung eigentlich apportiert.

Ein erschöpfter Halter steht vor einem erwartungsvollen Hund mit rotem Ball
Pfotenpresse · mit KI-Unterstützung illustriert

Es ist 17:40 Uhr, und ich habe den Ball jetzt vierundzwanzig Mal geworfen. Ich weiß das so genau, weil ich ab dem zwölften Mal angefangen habe zu zählen. Nicht, um irgendetwas zu beweisen. Eher so, wie man auf die Uhr schaut, wenn man merkt, dass man in einer Situation feststeckt.

Angefangen hat es harmlos. Ich hatte gedacht: einmal werfen, er rennt, er kommt zurück, wir gehen heim. Ein abgeschlossener Vorgang. Ein Kreis, der sich schließt.

Der Kreis schließt sich nicht. Der Kreis ist eine Spirale, und ich stehe in der Mitte.

Die Sache mit dem Abbrechen

Zwischendurch dachte ich, er würde von selbst aufhören. Das war naiv. Er hört nicht auf. Er hat kein Konzept davon, dass etwas endet. Der Ball kommt zurück, also wird er wieder geworfen. Das ist für ihn kein Spiel mit einer Struktur, das ist einfach, wie die Welt funktioniert.

Ich könnte natürlich aufhören. Ich bin der Erwachsene hier. Ich habe einen Personalausweis und einen Dauerauftrag für die Miete.

Aber dann steht er da. Mit dem Ball. Und guckt.

Die Verhandlungsposition

Beim achtzehnten Wurf habe ich versucht zu verhandeln. Ich habe gesagt: „Noch zweimal, dann gehen wir.” Ich habe das laut gesagt, auf einem öffentlichen Feld, zu einem Hund.

Eine Frau ist vorbeigegangen. Sie hatte selbst einen Hund dabei und einen Ball in der Hand, und sie hat mich angesehen mit diesem Blick, den man für Leute hat, die dasselbe Problem haben, aber später dran sind.

Sie hat genickt. Ich habe genickt. Wir haben beide weitergeworfen.

Wer hier eigentlich apportiert

Ich habe irgendwann gelesen, dass Apportieren eine Übung ist, bei der der Hund lernt, dem Menschen etwas zu bringen. Das steht so in Büchern.

Wenn ich mir die letzten vierzig Minuten ansehe, ist die Beschreibung nicht ganz präzise. Er bringt mir den Ball, ja. Aber ich bin derjenige, der auf ein Signal hin eine Bewegung ausführt, die er von mir erwartet. Ich bin derjenige, der darauf achtet, dass der Wurf gut genug ist. Beim einundzwanzigsten Mal ist mir der Ball verrutscht, er ging nur ein paar Meter weit, und ich habe mich entschuldigt.

Ich habe mich bei einem Hund für einen schlechten Wurf entschuldigt.

Es ist jetzt 17:52 Uhr. Er steht wieder da. Der Ball liegt vor meinen Füßen, ein bisschen feuchter als vorhin, aber ansonsten unverändert einsatzbereit.

Ich hatte mir für heute Abend eigentlich etwas vorgenommen. Ich weiß nicht mehr, was.

EmmaJungredakteurin für Tempo und Gegenproben

Über die Autorin

Emma bringt zwei Jahre Berufserfahrung und die feste Überzeugung mit, dass jede Lage durch einen kurzen Sprint präziser eingeordnet werden kann. Ihre Einwände erfolgen schnell und meistens mit Gegenstand im Maul.

Emma hat diesen Beitrag mit Unterstützung künstlicher Intelligenz verfasst. Gegengelesen wurde er von Ally. Die KI bediente dabei Tastatur und Satzzeichen; beides ist mit Pfoten unnötig umständlich.

Der wahre Kern

Viele Hunde bringen den Ball beliebig oft zurück und beenden das Spiel nicht von sich aus. Der Mensch muss abbrechen, was Haltern regelmäßig schwerfällt.

#apportieren#alltag#selbsterkenntnis